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Fazit Lyrics by Aron Morhoff

Das Phänomen Homophobie im amerikanischen und deutschen Hiphop

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6. Fazit
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass Homophobie im amerikanischen und deutschen Hiphop im Wesentlichen auf den Gangstarap zurückzuführen ist. Hiphop ist eine der letzten absoluten Männerdomäne und hatte somit, gerade aufgrund des großen Augenmerks auf die sprachliche Ausdrucksfähigkeit, schnell Beleidigun­gen und Kränkungen zum Inhalt.
Dem Gegenüber seine Männlichkeit abzusprechen, ist dabei, verständlicherweise, eine besonders kränken­de, wenn auch intellektuell sehr beschränkte Art und Weise der Beleidigung. Der Homosexuelle, der dabei stereotypisch als "unmännlichste Form" von Mann gesehen wird, wurde für den Rapper somit schnell zum beliebten Lückenfüller, Platzhalter und zur Allzweckbeleidigung (Der US-Rapper Tylor the Creator benutzt das Wort faggot auf seinem Album Goblin 213 Mal), ohne dass er dabei explizit homophob sein musste.
Problematischerweise wurde dieses symbolische Verhalten oft auch gezielt gegen homosexuelle Menschen verwendet und in der Öffentlichkeit äußerst selten relativiert, geschweige denn zurückgenommen.
Anfang der 2000er-Jahre fand Hiphop in Amerika und Deutschland zu einer Emanzipation aus dem Gang­starap, der über Jahre (auch angefeuert durch die skandalträchtigen Medien) Maß aller Dinge zu sein schien.
Gerade die liberalen Haltungen von Rapmogulen wie Jay-Z und Kanye West waren dafür von enormer Wichtigkeit. Eine wahre Revolution (und von deutschen Medien praktisch unkommentiert) war jedoch das öf­fentliche Coming-Out des dunkelhäutigen R'n'B/Hiphop-Künstlers und Grammysiegers Frank Ocean, wel­ches aus allen Bereichen amerikanischer Musik große Anerkennung genoss.
Die homophoben Gangstaphrasen wurden im deutschen Hiphop eins zu eins übernommen, der aufgrund seiner historischen Entwicklung noch viel weniger mit dem Urbild des Gangstas gemein hatte und somit mit seinen platten Menschenbildern und Attitüden von Außenstehenden oft belächelt und kritisiert wurde.45 46
Hier kam es musikalisch ebenfalls zu erfolgreichen Umbrüchen und Änderungen des Blickwinkels. Wenn­gleich Homophobie im Hiphop (und dabei eben speziell im Gangstarap) in Amerika und Deutschland noch immer latent zum Vorschein kommt, ist die Stimmung in beiden Ländern in den letzten Jahren deutlich posi­tiver geworden, die Texte reflektierter und die Kultur facettenreicher.
Gleichzeitig muss deutlich gemacht werden, dass Homophobie ein Missstand unserer Gesellschaft ist, der in allen Bereichen anzutreffen ist. Da Sexismus und Homophobie in unserer Gesellschaft existieren, findet man sie als Spiegel der Gesellschaft auch in der Kultur an – und somit auch im Hiphop. Das darf zwar keine homophoben Äusserungen entschuldigen oder banalisieren, doch gleichzeitig muss sich eine Gesellschaft hinterfragen, die den Bambi für Integration an Bushido als "Mensch mit Vision und Kreativität" verleiht, wo es Dutzende vorbildhaftere Beispiele gäbe.
Hiphop kann zudem auf Verdienste wie die Verständigung zwischen Kulturen und Nationen blicken und war seit seiner Existenz Sprachrohr für Unterprivilegierte, die gesellschaftlich ins Abseits geratene, problemati­sche Zustände anprangerten und mitverbesserten. Rassismus oder Antisemetismus beispielsweise sind im Rap ein unausgesprochenes Tabu, welches innerhalb der Szene (wenn nicht spielerisch) kaum gebrochen wird. Das Manko der Homophobie muss sich (Gangster-)Rap jedoch weiterhin auf die Fahne schreiben.
Als Schlusswort ein Zitat des Musikjournalisten Tim Stüttgen:
"Nun gilt für Raptexte wie für Kunst im Allgemeinen eine Regel:
Es gibt einen Unterschied zwischen Symbolischem und Realem, zwischen Wörtern und Taten sowieso.[...] Words are just words, right? Nicht unbedingt. Worte schaffen bei ständiger Wiederholung Standards. Und Standards schaffen Normen.[...] Der "Homo" kommt da gerade recht, er kann für alles herhalten ohne wirklich gemeint zu sein. Und genau das ist das Problem. Denn das Wort verweist auf real existierende Personen." 47

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