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Textanalyse 2: Refrain Lyrics by David Molke

Die Funktion der Intertextualität im deutschen Rap. Kool Savas’ Rapfilm

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Die weiter oben bereits mehrfach erwähnten Betrachtungen über die Kultur bzw. Subkultur werden im Refrain oder Chorus (auch hook genannt) des Songs von Savas selbst getätigt, indem er sich wie so oft mit den anderen Rappern der Szene vergleicht: „Was für Rapper? Sie werfen das Handtuch, wenn es sich nimmer lohnt, ich dagegen folge nur der Stimme, die mir innewohnt und und und mach ewig weiter, bring ihnen den Killerflow.“
Damit wirft er seinen KollegInnen und KonkurrentInnen vor, nur zu rappen, solange es sich lohnt, also nur für Geld zu rappen und somit jemand zu sein, der eben nicht wie Savas aus einem inneren Antrieb heraus Rapper ist. Hier ist ein eigenes, besonderes und dennoch weit verbreitetes Kunst- bzw. Künstler- und somit Selbstverständnis zu erkennen, welches sich eindeutig gegen die Kommerzialisierung und den Ausverkauf dieser speziellen Kunstform richtet. Die meisten deutschen RapperInnen beanspruchen für sich den Status eines Künstlers beziehungsweise einer Künstlerin, der aus Liebe zur Musik bzw. zum Rap handelt und nicht sich und seine Kunst oder etwas pathetischer, seine Seele verkauft, jedoch wirft ebenso nahezu jedeR RapperIn den meisten anderen genau diesen Tatbestand vor.
In dieselbe Kerbe schlägt der Rest des Refrains und spannt den Bogen zum Titel des Songs: „Hoodies, Baggys, Beanies - ich war immer so! Wieso? Denn ich bin auf dem Rapfilm hängen geblieben! Sie sagen: er ist auf dem Rapfilm hängengeblieben!“ Hoodies sind Kapuzenpullover1, Baggys weite Hosen und Beanies Mützen, alles drei für die klassische HipHop-Szene typische Kleidungsstücke. Savas bekennt sich hier durch die Aussage, er sei immer so gewesen, zu diesem Kleidungsstil und somit zur gesamten HipHop-Kultur, auch wenn es keine Kleiderordnung oder ähnliches im HipHop gibt. Ebenfalls verdeutlicht er durch diese Aussage, dass es sich weder bei seiner Musik noch bei seinem Kleidungsstil um eine simple Modeerscheinung mit geringer Verweildauer handelt, sondern er sich dem Rap verschrieben hat. Damit betont er, dass er „auf dem Rapfilm hängengeblieben“ ist, ganz im Gegensatz zu solchen Rappern, die die Gunst der Stunde nutzen, um schnell und leicht Geld zu verdienen. In den großen Medien wird Rap und HipHop gerne zur kurzlebigen Modeerscheinung degradiert – was nicht der Realität entspricht – und genau dem stellt sich Kool Savas hier und auch immer wieder an anderer Stelle entgegen: „das ist keine Phase, das ist unser Lifestyle, unser Leben, wie wir uns kleiden, geben und reden“2.
Im Musikvideo ist zum Zeitpunkt des „wieso?“ eine Fläche zu sehen, auf die nach- und übereinander Zeitschriften geworfen werden, es handelt sich hierbei um HipHop-spezifische Magazine wie „Source“, „Juice“ und „Backspin“, wodurch die im HipHop und Rap bereits angelegte Intermedialität auf drei Ebenen wortwörtlich veranschaulicht wird: im gerappten Text, dem Video und Printmedien. Während des ganzen Videoclips sind im Hintergrund immer wieder Basketballspieler und Breakdancer zu sehen, „[...] deswegen: in dem Video ist Graffiti, wir haben Breakdance, wir haben die Elemente wieder aufleben lassen. Wir haben MCing, wir haben DJing, wir haben sogar Basketball so als erweiterte Version der HipHop-Kultur [...]“3.
Mit dem Hinweis „sie sagen“ führt Savas gewissermaßen ein Autoritätsargument an und lässt den ersten anderen deutschen Rapper zu Wort kommen: „Er ist auf dem Rapfilm hängengeblieben!“ wird vom Skandalrapper und deutschen bad boy4 Fler skandiert, was für den Rezipienten beziehungsweise die Rezipientin zur Zeit der Veröffentlichung überraschend war, da bis zu diesem Zeitpunkt keinerlei gemeinsame Projekte der beiden Rapper erschienen waren, was sich bis heute nicht geändert hat. Obwohl die beiden Künstler keine freundschaftliche Beziehung zueinander verband bzw. verbindet, bekunden sie sich hier gegenseitig Respekt, was die Wirkung verstärkt: Obwohl sie wenig miteinander verbindet, schätzen sie die Meinung des anderen, sie sind beide Vertreter derselben Musikrichtung und der zugehörigen Kultur. Sie erkennen die Leistungen des anderen an und legitimieren somit gegenseitig ihre Position innerhalb der Szene. Man kann davon ausgehen, dass Kool Savas bewusst zuerst Fler zu Wort kommen lässt: hätte er eineN andereN, befreundeteN RapperIn an diese Stelle gesetzt, wäre die Wirkung nicht so immens gewesen, wie durch diese Auswahl.
Selbiges gilt für die nächste Zeile, in der Savas wiederholt: „Ich bin auf dem Rapfilm hängengeblieben, sie sagen:“, und die Zeile diesmal vervollständigt Jan Delay5 die Zeile mit „Er ist auf dem Rapfilm hängengeblieben!“ Hier verhält es sich sehr ähnlich wie beim Verhältnis zwischen Savas und Fler: Es existiert kein Song, auf dem Savas und Eißfeldt zusammen rappen, und Jan Delay hat sich mittlerweile eher anderen Musikrichtungen wie Funk zugewandt. Auch die Entscheidung, Jan Delay mit ins Boot zu holen, kann als bewusste Aktion interpretiert werden, es handelt sich hier um ein außerordentlich erfolgreiches Urgestein des deutschen Rap, und gerade durch seine mehr oder weniger vollkommene Abwendung von Rap wiegt seine Aussage noch schwerer. Dasselbe gilt für die Tatsache, dass obwohl sich Jan Delay – selbst als er noch gerappt hat – nie hartem Battlerap zugewandt hat, er Savas hier Respekt zollt. Lob von Feinden oder Fremden wirkt oft stärker als von Menschen, von denen man es sowieso erwartet hätte. Dass Jan Delay sowohl Funk, Reggae und Soul, als auch Rap produziert hat, unterstreicht die Musikalität, die genreübergreifende Wirksamkeit und Herstellungsweise von Rap beziehungsweise HipHop mit deren Samplingkultur, die sich größtenteils aus verschiedenen Musikstilen bedient, um daraus etwas Neues zu erschaffen. Der mittlerweile verstorbene Rapper Guru der Formation Gang Starr ging sogar so weit zu behaupten, dass man Hiphop nur verstehen könne, wenn man Jazz (Blue Note) höre, was vielleicht u.a. mit seiner persönlichen Vorliebe für dieses Genre zu erklären ist. Er veröffentlichte mehrere „Jazzmatazz“-Alben, auf denen er Rap mit Jazz kombiniert. Nachzuweisen, dass Rap ausschließlich aus Jazz entstanden ist, wie durchaus behauptet wird, dürfte schwierig sein, ganz deutlich jedoch bedient er sich einiger Elemente auch aus dieser Stilrichtung.

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