„It's a hard knock life, wenn ich komme, mach direkt mit dem Unsinngelaber schluß, ich steh noch mit Nierenkoliken am Mic, nenn mich Lazarus!“ ist die erste Zeile der zweiten Strophe, und beginnt direkt mit einem Jay-Z-Zitat. „It's a hard knock life“ ist dem Song „Hard Knock Life (Ghetto Anthem)“ aus dem fast gleichnamigen, über acht Millionen mal verkauften und mit einem Grammy ausgezeichneten Album „Vol. 2: Hard Knock Life“ von 1998 entnommen. Dass Kool Savas hier Jay-Z zitiert, verwundert nicht, da Jay-Z eine Instanz im US-amerikanischen Rap sondergleichen darstellt, er enorm erfolgreich war und immer noch ist. Heutige Größen der Szene wie beispielsweise Kanye West machte er überhaupt erst bekannt und der Beef mit Nas erfuhr große Resonanz in der HipHop-Community; das Album Blueprint zum Beispiel stellt einen unerreichten Klassiker der Rapgeschichte dar.1 Inhaltlich setzt sich der zitierte Song mit dem Leben und den widrigen Umständen und Bedingungen insbesondere für Kinder und Jugendliche in sozialen Brennpunkten auseinander, die „school of hard knocks“. Der Refrain des Songs von Jay-Z ist eigentlich ein Sample des Songs „It's the Hard Knock Life“ aus dem Musical „Annie“ von 1977, welches sich wiederum auf den von George Ade 1912 geprägten Begriff der “school of hard knocks“ bezieht.
Savas' Reinterpretation kann dahingehend verstanden werden, dass seiner Meinung nach jeder durch die harte Schule des Lebens gehen muss, insbesondere dann, wenn Kool Savas „kommt“ und mit dem „Unsinngelaber“ der hier angesprochenen anderen RapperInnen „schluß machen“ möchte. Dies zeigt zum wiederholten Male, wie groß der Wahrheitsanspruch im Rap ist, bzw. als wie wichtig er von Savas eingestuft wird. Das sich wie ein roter Faden durch den Songtext ziehende Bekenntnis zum Rap- oder HipHop-Lifestyle wird an dieser Stelle durch die Aussage „[...] ich steh' noch mit Nierenkoliken am Mic [...]“ unterstrichen und macht deutlich, wie wichtig und ernst dem Autor/Rapper seine Kunst ist: selbst todkrank würde Savas noch am Mikrofon stehen wollen; gleichzeitig ein erneuter Verweis auf die Performativität von Rap. Mit der Aufforderung „nenn mich Lazarus!“ holt Kool Savas sehr weit aus und vergleicht sich selbst mit Lazarus, einer biblischen Figur, genau genommen zwei Figuren, um die sich diverse Legenden ranken. Hauptsächlich dürfte der Vergleich den vorher angeführten Nierenkoliken geschuldet sein, da beide Lazarus-Figuren in der Bibel todkrank sind, allerdings ist die wohl bekannteste Version der Geschichte die um die Auferstehung des Lazarus von den Toten. Daraus könnte geschlussfolgert werden, dass Savas hier deutlich machen will, dass er sogar über den Tod hinaus rappen würde.
„Tatsachen – yeahiyeahi – ich werf diese Rapper grad um wie A-Klassen, kein MC kann mich nachmachen, guck: It ain't hard to tell“: Mit „Tatsachen“ stellt Savas zum wiederholten Male einen Wahrheitsanspruch; was er rappt, sind nicht irgendwelche Geschichten, sondern eben Tatsachen, im Gegensatz zu „diesen Rappern“, die er umwirft „wie A-Klassen“. Dies ist eine Anspielung auf das Auto Mercedes A-Klasse, welches durch das Nicht-Bestehen des sogenannten Elchtests traurige Berühmtheit erlangte, weil es zuerst in scharfen Kurven immer auf die Seite fiel. Ob Savas mit dieser Anspielung seine Reimtechnik hier als umwerfend oder andere RapperInnen als nicht besonders stabil darstellen will, sei dahingestellt und kommt auf dasselbe Ergebnis heraus: Er stellt sich selbst über jene, von ihm kritisierten RapperInnen.
Die Interjektion „yeahiyeahi“ stammt aus Ice Cubes Song „We Be Clubbin'“ aus dem Jahr 1998, erschienen auf dem Soundtrack zum Film „The Player's Club“.2 Weiterhin beansprucht Savas auch in dieser Textzeile Originalität für sich, dass „kein MC“ ihn nachahmen kann (obwohl sie es versuchen) „ain't hard to tell“. Damit zitiert Kool Savas die nächste Rap-Legende, bei der es verwunderlich gewesen wäre, hätte man sie ausgelassen: Nas. Das Zitat ist dem gleichnamigen Song vom legendären Album „Illmatic“ aus dem Jahr 1994 entnommen, ein Album, das immer wieder als Meilenstein angeführt wird und Nas' Debut und Durchbruch war. Jedes seiner weiteren Alben musste sich dem Vergleich mit seinem stilbildenden Erstlingswerk stellen, oftmals wird behauptet, Nas hätte später nie wieder zu dieser Größe gefunden. Wie bereits erwähnt, gab es zwischen den Rappern Jay-Z und Nas größere Streitigkeiten und gegenseitige Unmutsbekundungen. Savas verglich sich bereits vor „Rapfilm“ mehrfach mit Nas und/oder Jay-Z, beispielsweise im ersten gemeinsamen Lied mit Samy Deluxe mit dem Titel „OK“ zog er den Vergleich: „Er und ich sind für Deutschland wie Jay und Nas für Amerika“, da auch Samy und Savas Streitigkeiten nachgesagt wurden und sie sich selbst analog als zwei der größten, bedeutsamsten Rapper Deutschlands sehen. Die Veröffentlichung des gemeinsamen Liedes zog dann auch sehr große Aufmerksamkeit auf sich, niemand hätte einen gemeinsamen Song zu diesem Zeitpunkt erwartet.
In der darauffolgenden Zeile „Ich rapp animalisch, slash, fast schon mechanisch, wütend wie paar wildgewordene Paviane, sie wollen wissen: what's the difference between me and you?“ wird Dr. Dres Lied „What's the difference?“ vom Album „2001“ aus dem Jahr 1999 zitiert, ein weiterer Meilenstein des US-amerikanischen Rap. Das Album stellt das bisherige Letzte des Produzenten und Rappers Dr. Dre dar, das Nachfolgewerk „Detox“ ist schon seit geraumer Zeit angekündigt und mittlerweile wurden sogar bereits Singles veröffentlicht, ob es jemanls wirklich erscheinen wird, bleibt jedoch weiterhin unklar. Auf dem Lied „What's the difference?“ sind zwei Gastbeiträge zu hören, einer von Xzibit, der andere von Eminem, beide in ihrer Wirkung und ihrem Status nicht zu unterschätzende Rapper. Was der Unterschied zwischen demjenigen, der sich angesprochen fühlen darf und Kool Savas ist, beantwortet der Rapper im Voraus mit „Ich rapp animalisch, slash, fast schon mechanisch, wütend wie paar wildgewordene Paviane“ und auch umgehend in der nächsten Zeile: „Jetzt mal ehrlich Bruder: Du ne bessere Zeile als ich bringen, das wär reiner Zufall.“
„One, two, three and to the four, tausend Rapper saugen für ein Feature Pimmel auf Klo“ ist zum einen ein Zitat des Klassikers „Nuthin But A G-Thang“ von Dr. Dre und Snoop Doggy Dogg des Jahres 1992, das Lied erschien auf Dres Debutalbum „Chronic“. Die zitierte Textpassage stellt den Anfang des Liedes, gerappt von Snoop Dogg dar. Zum anderen ist es eine sehr despektierliche Aussage über das Geschäftsverhalten anderer RapperInnen, die selbst davor nicht zurückschrecken würden, sich für ein Feature (einen Gastbeitrag) zu prostituieren und zwar in denkbar unschönster Atmosphäre. Auch diese Aussage ist wiederum metaphorisch zu verstehen, es handelt sich hierbei keineswegs um tatsächlichen Oralverkehr oder überhaupt eine wirkliche Begebenheit, sondern soll den Charakter anderer RapperInnen und deren Haltung versinnbildlichen, die Savas zuwider sind. Er ist bekannt dafür, zwar oft und gern mit anderen RapperInnen zusammenzuarbeiten, aber nur bei persönlichen Sympathien, nie für bloßes Geld, Ruhm oder Karrierestreben. Dieses Sinnbild kann gut dazu herhalten, zu zeigen, wie beliebt die Zusammenarbeit mit Savas in der Szene sein muss, als einer von Deutschlands bekanntesten und technisch versiertesten Rappern ist er durchaus gefragt.
Mit „Ich fick fake gangster-MCs and make 'em faggot flambé, schick sie nach Hause mit 'nem Essah-Emblem auf'm Rücken“ fährt Savas fort, was nicht wörtlich zu verstehen ist. Stattdessen verhält es sich mit diesem sexualisierten und im Battlerap sehr weit verbreiteten Sprachbild wie mit dem des weiter oben bereits angeführten metaphorischen Oralverkehrs. Jemanden „ficken“ heisst hier sinngemäß, ihn lyrisch zu zerstören, ihm überlegen zu sein; mit irgendeiner Form von Geschlechtsverkehr hat die Gebrauchsweise sexueller Metaphern im Rap nur noch in den allerseltensten Fällen zu tun. Allein über die Verwendung derartiger Ausdrücke im Battlerap ließe sich eine eigene Arbeit anfertigen.3 Wichtig ist in jedem Falle, diese Aussage nicht wörtlich, sondern metaphorisch zu verstehen, und zwar dahingehend, dass Kool Savas der Ansicht ist, eben jene „fake gangster-MCs“ in einem lyrischen Wettstreit dermaßen überlegen besiegen zu können, dass sie danach seine Fans würden und das Emblem seines Namens auf dem Rücken trügen.
Das Zitat stammt aus dem Lied „Come Clean“ (sinngemäß mit ,reinen Tisch machen' zu übersetzen) des Künstlers Jeru the Damaja von 1993, was insofern eine Sonderstellung einnimmt, da Kool Savas mit einigen Labelkollegen des damaligen, mittlerweile geschlossenen Labels Optik Records 2006 eine Neuauflage des Songs namens „Come Clean 2006“ veröffentlichte. Das Original wurde von DJ Premier produziert, ein weiteres Urgestein der Rapgeschichte und immer noch einer der berühmtesten und erfolgreichsten US-amerikanischen Produzenten, der gemeinsam mit dem mittlerweile verstorbenen Rapper Guru Teil der klassischen MC/Producer-Kombo Gang Starr war, deren Einfluss auf die gesamte Rap-Szene von großer Bedeutung war und immer noch ist. Der Beat der Version aus dem Jahr 2006 wurde im Vergleich zum Original nur leicht abgeändert, der Song findet sich auf dem Labelsampler „Optik Takeover!“ und wird von Savas selbst mit folgenden Zeilen eröffnet: „Ich bin ein Rapper, den Rapper hörn! Den Rapper hörn und meinen: ich als Rapper muss sagen, er ist ein Rapper, der Rapper turnt!“ So schlägt Savas den Bogen vom „Rapfilm“ zum Lied von 1993, von dort wieder zu seiner Version des Liedes, die die Aussage über ihn selbst trifft, dass andere Rapper Kool Savas' Musik hören und sie für gut befinden, was den Kreis schließt und den geneigten Hörer wieder zum „Rapfilm“ führt, wo gewissermaßen der Beweis erbracht wird: andere Rapper bescheinigen Kool Savas, „auf dem Rapfilm hängengeblieben“ und somit ein ernsthafter und guter Rapper zu sein.
Ein weiterer, ganz eigener Diskurs wird mit dem Zitat eröffnet: Die Diskussion um die Authentizität im Rap, die sogenannte Realness. „Fake gangster-MCs“, also solche RapperInnen, die für sich beanspruchen, kriminell und aus dem Ghetto zu sein, dieses Image sich aber nur aus marketingtechnischen Gründen zugelegt haben, also fake und nicht real sind, sind Kool Savas jedenfalls ein Dorn im Auge. Diese Textpassage könnte als Seitenhieb auf RapperInnen wie beispielsweise Bushido interpretiert werden, der das Genre des Gangsterrap in Deutschland beinahe salonfähig gemacht hat und mittlerweile auch mehr oder weniger in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist. Es wird immer wieder hinterfragt, ob Gangsterrap authentisch ist, sein kann und/oder sein muss; dies sei hier nur erwähnt, es ließe sich auch zu diesem Thema eine eigene Arbeit verfassen.
Auch mit der nächsten Textpassage geht Savas weiter auf dieses Thema ein: „Oh no! für euch wirds übler als Mäckes, der Hüter des Rap ist auf der Jagd nach Lügnern und ihren fake fake record records.“ Indem er sich selbst als „Hüter des Rap“ bezeichnet, nimmt er den Status einer Kontrollinstanz und eines Bewahrers der Realness ein, der „auf der Jagd nach Lügnern und ihren fake fake records“ ist, was zum wiederholten Male den Wahrheitsanspruch im Rap in den Vordergrund stellt und all diejenigen, die fake sind, Lügen straft. Das „Oh no!“ stammt aus dem gleichnamigen Song von Mos Def, Nate Dogg und Pharaohe Monch, welcher 2000 auf der Kompilation „Lyricist Lounge 2“ des Labels Rawkus erschien und sehr erfolgreich war. Ein Jahr zuvor war Pharaohe Monch ein Singlehit mit „Simon says“ geglückt, der heute noch verlässlich auf jeder HipHop-Party gespielt wird, auch wenn Pharaohe Monch mittlerweile nicht mehr sonderlich erfolgreich ist. Nate Dogg ist eigentlich ein Sänger, der auf unzähligen Rapsongs den Refrain performte und so einen sehr hohen Bekanntheitsgrad erlangte. Der Dritte im Bunde, Mos Def, ist eine weitere, nicht mehr aus der HipHop-Szene wegzudenkende Rap-Legende, bekannt geworden unter anderem durch die Formation Black Star gemeinsam mit dem Rapper Talib Kweli und sein Debutalbum "Black on both Sides" aus dem Jahr 1999. Insbesondere Mos Def ist dafür bekannt, tiefgründige, sozialkritische und komplex gereimte Texte zu verfassen und zu rappen, mittlerweile hat er neben der Musik auch im Filmgeschäft Fuß fassen können und ist als Schauspieler beispielsweise in „Per Anhalter durch die Galaxis“ oder dem oscar-nominierten „Monster's Ball“ zu sehen.
Mit „übler als Mäckes“ kritisiert Kool Savas indirekt den Konzern Mc Donald's, wobei unklar bleibt, ob er die Qualität des Essens, die Arbeitsbedingungen der dort Angestellten oder die Geschäfts- und Konzernstrategien im Allgemeinen anprangert und als übel tituliert. Derartige Kritik ist für Battlerap eher untypisch, hier aber sehr elegant verpackt. „Fake fake records“ ist dem Song „Hip Hop“ der Gruppe Dead Prez entnommen, erschienen 1999 als Single und 2000 auf dem Album „let's get free“. Die Formation Dead Prez (von dead presidents, ein Slang-ausdruck für Geld) ist bekannt für ihre enorm politischen Texte, die die Unterdrückung und Ungleichbehandlung der schwarzen US-Bevölkerung anprangern und dies mit sehr radikalen, deutlichen Texten bewerkstelligen, die sich hauptsächlich gegen die weiße Oberschicht der USA richten und fast schon ins Rassistische tendieren. Nichtsdestotrotz – oder vielleicht auch gerade deswegen – handelt es sich auch hier um einen Rapklassiker, im Text und Videoclip von „Hip Hop“ wird zur Revolution, zum Systemsturz und Auflehnung gegen die Obrigkeit aufgerufen.
Eine klassische Battlerap-Metapher, die in den selben Bedeutungskontext wie die oben angeführten Sexualvergleiche einzuordnen ist, findet sich in der nächsten Textzeile am Abschluss der zweiten Strophe: „Ich reiss dich in Fetzen, weis dich in deine Grenzen, Idiot, und if you don't know, now you know
, Spinner!“ Keinesfalls beabsichtigt Kool Savas irgendjemanden wortwörtlich körperlich in Fetzen zu reissen, er tut dies lyrisch mit seinen Rap-BattlegegnerInnen und weist sie allein durch sein Können und Wissen in ihre Grenzen. „If you don't know, now you know“ ist ein bedeutsames Zitat, entnommen aus dem Lied „Juicy“ des bereits erwähnten Rappers Notorious B.I.G., erschienen 1994 auf dem Debutalbum „Ready to Die“. Der Song gilt als einer der einflussreichsten und besten der Rapgeschichte und erzählt eine klassische rags to riches-story (sinngemäß: vom Tellerwäscher zum Millionär beziehungsweise von der Tellerwäscherin zur Millionärin), die den Werdegang des Rappers autobiographisch nachzeichnet. Der Beat des Liedes basiert auf einem Sample aus dem Funk-Song „Juicy Fruit“ des Künstlers Mtume aus dem Jahr 1982, produziert von Poke und Sean „Puffy“ Combs (aka Puff Daddy, P. Diddy), allerdings beansprucht der Produzent Pete Rock, ein weiteres HipHop-Urgestein, den Beat produziert zu haben. Die Textpassage „and if you don't know, now you know“ hat sich mittlerweile zu einer feststehenden Redewendung entwickelt, die mannigfaltige Verwendung findet und beispielsweise als Aufdruck auf modischen Jutebeuteln zu finden ist.