Das Lied „Rapfilm“ und die meisten anderen Songs des Künstlers Kool Savas sind in das Subgenre des Battlerap einzuordnen.1 Battlerap zeichnet sich durch einen ausgeprägten Wettbewerbscharakter aus:
"Getreu der Idee der gewaltfreien, kreativ-künstlerischen Auseinandersetzung geht es beim Battle- Rap darum, einen realen oder oft auch imaginären Gegner [2] verbal zu attackieren. Dieser Battle-Rap steht für bewussten Tabubruch bei dem jede Form von Erniedrigung durch Beleidigung, Diskriminierung oder verbale Gewalt zugelassen wird."3
Allerdings reicht es nicht aus, möglichst beleidigend zu sein (auch wenn das einige RapperInnen offensichtlich anders sehen), der Inhalt muss mit einer überzeugenden Darbietung und technischer Raffinesse einhergehen:
"The most important question to ask about a rap is whether it convinces its audience. In this sense of 'rhetoric' as 'persuasion,' Rap is clearly the most popular rhetorical poetic form in use today. Rhyme and rhythm are the key elements through which one demonstrates one's verbal dexterity- i.e., they occupy a position analogous to the conventional figures of speech in classical rhetoric. It's not enough, after all, to boast about one's facility with words unless one conducts these boasts in novel, complicated, humorous or visceral ways."4
Die Tradition der Battles ist im HipHop tief verwurzelt und beschränkt sich keinesfalls auf Rap, obgleich in der Entstehung desselben der Wettbewerbscharakter bereits bedingt ist, da Rap zuerst als Dreingabe zu den DJ-Battles entstand.5 Ursprünglich war die Funktion und der Grundgedanke der HipHop-Wettbewerbe, „[...] die bisher gewalttätig ausgetragenen Wettkämpfe um territoriale Macht nun von den gewaltlosen Formen des DJing, Rap, Breakdance und Graffiti [...]“6 ablösen zu lassen, die Energie und Wut der in prekären Verhältnissen in sozialen Brennpunkten lebenden Jugendlichen zu kanalisieren, ihr ein Ventil zu geben und zu deeskalieren.
Die Wurzeln des Battlerap und des lyrischen Kräftemessens gehen jedoch noch weiter zurück als die HipHop-Kultur und lassen sich bereits in afroamerikanischen Traditionen wie dem Signifying und den Dozens
Wiederfinden. Hierbei handelt es sich um scherzhafte Reim- und Wortspiele von hauptsächlich Kindern – vergleichbar mit Abzählversen – in denen es gilt, sein Gegenüber zu übertrumpfen und sich nicht aus der Fassung bringen zu lassen.7
Sascha Verlan geht auf der Suche nach den Wurzeln des Rap sogar noch einige Schritte weiter zurück und wirft einen erhellenden und vertiefenden Blick auf die historische Tradition lyrischer Wettkämpfe:
"[Es wurde] zu Recht auf die afroamerikanischen Wurzeln von Improvisation und Wettstreit im Rap hingewiesen. Allerdings gibt es Formen von literarischen Wettkämpfen und Improvisation mit Sprache in allen oralen Kulturen: in Grönland beispielsweise gibt es Völker, die ihre Rechtsstreitigkeiten in improvisierten Dichterwettkämpfen austragen. Es gewinnt, wer mit seinen Versen das Publikum für sich gewinnen kann (Und ganz ehrlich, ist es in westlichen Gerichtssälen anders?). In der Türkei wetteifern Jugendliche in gereimten Versduellen, ebenso in China und Südamerika.
Selbst im deutschsprachigen Raum, in Tirol, wird in Versen, den so genannten Gstanzln gespottet und gestritten. Und ein Blick zurück in die literarische Vergangenheit zeigt, Improvisation und Wettkampf waren einmal fester Bestandteil des literarischen Lebens: ob bukolische Dichtung, der Agon im antiken Griechenland, die Wettkämpfe der fahrenden Sänger und Minnedichter im Mittelalter, die Meistersinger, die Texte von Aristophanes, Jonathan Swift, Edmond Rostand, Richard Wagner oder James Krüss, sie alle kennen den Wettstreit der Dichter.
Aristoteles war es, der den Ursprung der Dichtung in der Improvisation erkannte. Und Theodor W. Adorno folgte ihm nach mit der provozierenden These vom Krieg in den Künsten: In dem Moment, da Kunst noch mit Bezug auf Wahrheit gedacht wird, können nicht zwei Kunstwerke friedlich nebeneinander existieren, die jeweils anders zu ihrer Epoche stehen, einen ganz anderen Begriff von ihr enthalten bzw behaupten Friede herrscht nur unter der Voraussetzung nicht nur von Toleranz sondern von Relativismus. [...] Wenn literarische Stile, Intentionen, Werke noch ernsthaft etwas wollen, muss zwischen ihnen Krieg walten."8
Die Verselbstständigung in der Gebrauchsweise und die Bedeutungsverschiebung bestimmter Sprachbilder und Ausdrücke – insbesondere der sexualisierte Sprachgebrauch und die Vulgarismen im Battlerap – werden oft als problematisch eingestuft. Da dies eher ein sprachwissenschaftliches und/oder soziologisches Problem ist, setzt sich diese Arbeit nicht dezidiert mit der Thematik auseinander, an den relevanten Stellen des Songs wird aber zumindest kurz darauf eingegangen.