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Vorbemerkungen 5: Selbstreferentialität, -reflexivität, Performanz und Meta-Rap Lyrics by David Molke

Die Funktion der Intertextualität im deutschen Rap. Kool Savas’ Rapfilm

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Die meisten BattlerapperInnen transportieren in ihren Texten, dass sie besser rappen können als ihr Gegenüber, auch Kool Savas rappt hauptsächlich über Rap.1 Seine Texte sind „[...] selbstbezüglich (sich selbst sprechend) und diskurs-überschreitend (text-transgressiv) zugleich und weisen ihre Spezifik in eben dieser komplexen Konfiguration auf [...]“2.
Kool Savas macht gewissermaßen Meta-Rap und ist sich dessen bewusst: „Ich hingegen schwebe, (slash) bewege mich auf der Meta-Ebene.“3 Diese Selbstreferentialität und -reflexivität kann als eine Art autopoiesis angesehen werden, eine sich selbst sprechende Sprache und ein sich selbst erhaltendes und erschaffendes System:
"Dabei zirkulieren die sich selbst sprechenden Sprachen des Hip-Hop bemerkenswerter Weise nicht im l'art pour l'art reiner Selbstreferentialität. Im Gegenteil: Ihre gesteigerte Selbstreflexivität ist vor allem ein 'urban skill', dessen kreative Fertigkeiten in engster sozialer Interaktion diskursüberschreitender Praktiken zur Geltung kommen und auf ein ausgedehntes kulturelles Archiv zurückgreifen."4
Rap lebt von seiner Darbietung5: von der Bühne herab, auf CD, als MP3 oder im Musikvideo, fast immer wird Rap über das Ohr rezipiert, nur in den seltensten Fällen werden Rap-Texte gelesen, und sollte dies der Fall sein, können sie ihre volle Wirkung nicht entfalten. Rap ist gleichzeitig immer auch Performanz:
"Die hohe Wertschätzung des Performanzcharakters von Sprache in afroamerikanischen Gemeinschaften und der Einfluss afroamerikanischer verbaler Traditionen spiegelt sich in Diskurs und Sprachideologie von Rap und Hiphop. Die Performativität der sprachlichen Äußerung ist ein wesentliches Charakteristikum von Rap."6
Wie bereits dargelegt, lassen sich die Qualitäten eines Rapsongs und eines Rappers nur anhand der Prosodie nachvollziehen, hinzu kommt natürlich die Stimme7: „Yo, to me it don't [sic!] matter how dope you write or look. MCs without a voice should write a book.“8
Gleichzeitig konstruieren RapperInnen und ganz besonders BattlerapperInnen über ihre sprachlichen, performativen Äußerungen eine Wirklichkeit: das, was sie sagen, wird davon unterstrichen und bekräftigt, wie sie es sagen, insofern sie talentiert genug sind, Behauptungen über ihre Fähigkeiten eben auch durch gutes Rappen zu untermauern.9 Da genau dies auch der häufigste Streitpunkt unter und zwischen RapperInnen ist, nämlich wer denn ein guter Rapper beziehungsweise eine gute Rapperin ist und was guten Rap ausmacht, ergehen sich die meisten (Battle-)rapperInnen in Betrachtungen über genau diesen Diskussionsgegenstand.
"HipHop schafft in seinen Tracks ein intertextuelles Referenzsystem, das permanent auf den kulturellen Kontext und die eigenen Praktiken verweist. Das geschieht nicht nur durch die Raps und Samples, sondern auch durch die Gast-Auftritte von Rap-Stars auf den Platten ihrer Kollegen. Dadurch entsteht eine Art selbstreferentielles und selbstreflexives Universum des HipHop. Raps und Samples beziehen sich nicht nur auf einzelne andere Musikstücke oder Textpassagen, stellen somit eine Einzeltextreferenz dar, sondern sie sind zugleich eine Textsortenreferenz, indem sie auf Stile wie Funk, Soul oder Rock verweisen. Diese Tendenz wird umso deutlicher, wenn HipHop-Acts andere HipHop-Acts sampeln."10
Zusammengefasst lässt sich festhalten: Rap ist performativ und kulturpoetisch, die Texte sind gleichzeitig Teil der HipHop-Kultur und aus ihr entstanden. Sie erschaffen sich und die Kultur ständig neu, in ununterbrochener Selbstreflexion und -betrachtung.

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